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Die Ursprünge des Kaffees: Mythen, Legenden und der Weg zur italienischen Tasse

Die Ursprünge des Kaffees: Mythen, Legenden und der Weg zur italienischen Tasse

Ein Getränk, das tausend Jahre und drei Kontinente durchquert hat

Der Kaffee, den wir morgens trinken, hat einen langen und verschlungenen Weg hinter sich. Bevor er zur kleinen Tasse wurde, die wir kennen, war er eine gekaute Beere, ein Aufguss aus Blättern, ein religiöses Getränk, eine Schmuggelware und zeitweise ein gesetzlich verbotenes Produkt.

Wir arbeiten seit über fünfzehn Jahren mit Kaffee und stellen fest, dass diese Geschichte fast alle unsere Kunden interessiert. Nicht als Anekdote: Wer weiß, woher ein Getränk stammt, versteht besser, warum es so schmeckt, wie es schmeckt.

In diesem Beitrag haben wir getrennt, was die historische Forschung für gesichert hält, und was zur volkstümlichen Erzählung gehört. Beides war lange vermischt.

Kaldi und die Ziegen: die berühmteste und am wenigsten belegte Legende

Die Geschichte ist vielen bekannt. Ein äthiopischer Hirte namens Kaldi bemerkt, dass seine Ziegen nach dem Fressen bestimmter roter Beeren bis tief in die Nacht wach und unruhig bleiben. Neugierig probiert er selbst davon, spürt dieselbe Wirkung und bringt die Entdeckung in ein nahes Kloster, wo die Mönche daraus einen Aufguss bereiten, der ihnen beim nächtlichen Gebet hilft.

Eine schöne Erzählung — und gerade deshalb mit Vorsicht zu behandeln. Schriftlich taucht sie erst im 17. Jahrhundert auf, in einem europäischen Text, also Jahrhunderte nach den beschriebenen Ereignissen. Zeitgenössische äthiopische Quellen bestätigen sie nicht.

Erfunden ist sie deshalb nicht. Äthiopien ist tatsächlich die Heimat der Coffea arabica, die dort wild im Hochland wächst, und der örtliche Gebrauch der Beeren geht der Verbreitung des Getränks weit voraus. Die Legende verdichtet einen Prozess von Generationen zu einer bildhaften Episode.

Jemen: wo Kaffee wirklich zum Getränk wurde

Der entscheidende Schritt geschah nicht in Äthiopien, sondern jenseits des Roten Meeres. Im Jemen wurde Kaffee zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert systematisch angebaut, geröstet und gemahlen: Dort entstand das dunkle, heiße Getränk, das wir noch heute wiedererkennen würden.

Verbreitet wurde es vor allem von Sufi-Bruderschaften, die es für lange nächtliche Zeremonien nutzten. Bald verließ der Kaffee den religiösen Rahmen: In den Städten der arabischen Welt öffneten die ersten öffentlichen Kaffeehäuser, in denen getrunken, diskutiert und gespielt wurde.

Der Hafen Mokha am Roten Meer wurde zum Zentrum dieses Handels — und gab der Mokkakanne ihren Namen, die Jahrhunderte später zum italienischen Symbol werden sollte. Zum Schutz des Monopols war die Ausfuhr keimfähiger Pflanzen und Samen streng beschränkt.

Venedig, das Eingangstor des Kaffees nach Europa

Nach Europa kam der Kaffee über den venezianischen Handel in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Zunächst war er eine teure Kuriosität, eher als Heilmittel denn als Genuss verkauft, und sein Ruf war unsicher: Gerade seine Herkunft machte ihn verdächtig.

Der Legende nach war es ein Papst, der die Sache entschied, indem er ihn kostete und für zu gut befand, um ihn den Ungläubigen zu überlassen. Auch hier ist die Überlieferung spät und indirekt; die Anekdote ist vermutlich eine spätere Konstruktion. Sicher ist, dass das Misstrauen im 17. Jahrhundert verschwand.

1720 öffnete unter den Prokuratien am Markusplatz jenes Lokal, aus dem das Caffè Florian wurde — heute eines der ältesten noch betriebenen Kaffeehäuser Europas. Es war mehr als ein Lokal: das Modell eines öffentlichen Raums, in dem Kaffee der Anlass ist, innezuhalten, zu lesen und zu reden.

Vom Kaffeehaus zur Theke: wie das italienische Ritual entstand

Der nächste Sprung war technischer Art. Um die Wende zum 20. Jahrhundert suchte man einen Weg, Kaffee schneller und auf Bestellung auszuschenken, ohne große Mengen im Voraus zuzubereiten. Die Antwort war die Druckmaschine, und aus ihr entstand der Espresso: Kaffee, der im Moment für eine Person extrahiert wird.

Das ist ein echter Unterschied zum übrigen Europa. Wo anderswo eine große Tasse im Sitzen getrunken wird, setzte sich in Italien eine kleine, konzentrierte Portion durch, oft im Stehen an der Theke in wenigen Minuten. Das Ritual ist nicht die Langsamkeit, sondern die Häufigkeit.

1933 brachte die Mokkakanne ein ähnliches Prinzip erschwinglich in die Wohnungen, und die kleine Tasse wurde auch zur häuslichen Gewohnheit. Danach beschleunigt sich die Geschichte: standardisierte Dosierung, Kapsel- und Padsysteme, Vollautomaten.

Jeder Schritt vereinfachte die Zubereitung, keiner änderte das Wesentliche: Gesucht wird weiterhin eine kleine Menge konzentrierten Getränks mit dichter Crema und anhaltendem Aroma.

Was von dieser Geschichte in der heutigen Tasse bleibt

Drei Dinge sind unserer Ansicht nach unverändert geblieben.

Die geografische Herkunft zählt weiterhin. Die beiden marktbeherrschenden Arten, Arabica und Robusta, stammen aus unterschiedlichen Umgebungen und verhalten sich in der Tasse unterschiedlich: die eine säuerlicher und aromatischer, die andere kräftiger und bitterer, mit stabilerer Crema. Fast jede italienische Mischung kombiniert sie, und das Verhältnis ist das Erste, worauf Sie bei der Wahl von Bohnen oder gemahlenem Kaffee achten sollten.

Die Röstung bleibt der entscheidende Schritt. Sie ist der Moment, in dem die Beere zum Aroma wird, und der Punkt, an dem jede Rösterei ihre Handschrift hinterlässt. Zwei Kaffees gleicher Herkunft, unterschiedlich geröstet, haben wenig gemeinsam.

Das Ritual ist sozial geblieben. Ob jemenitisches Kaffeehaus des 16. Jahrhunderts, das Florian im 18. oder eine Bar um die Ecke heute — Kaffee ist nach wie vor ein Anlass, mit jemandem innezuhalten.

Wenn Sie diesen Charakter auch zu Hause suchen, ist der Ausgangspunkt einfach: eine Mischung, die Ihnen wirklich schmeckt, und eine dazu passende Zubereitungsmethode. In unserem Kaffeesortiment und bei den Zubehörartikeln finden Sie beides.

Wenn Sie unsicher sind, welche Mischung zu Ihrer Methode passt, kontaktieren Sie uns — das Maracatú-Team hilft Ihnen gern weiter.

Bild: Innenraum des Caffè Florian, Venedig — Jorge Franganillo, CC BY 2.0 (Wikimedia Commons).

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